Return on Investment (ROI): Bedeutung, Berechnung und Anwendung im Trading

Der Return on Investment, kurz ROI, gehört zu den bekanntesten Kennzahlen zur Beurteilung einer Investition. Er zeigt, wie hoch der erzielte Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital ist.

Auch im Trading begegnet man regelmäßig Renditeangaben. Doch eine hohe prozentuale Rendite allein sagt noch wenig darüber aus, wie gut eine Handelsstrategie tatsächlich ist. Risiko, Drawdown, Positionsgröße und der betrachtete Zeitraum spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Return on Investment ROI im Trading einfach erklärt

Kurz erklärt: Der Return on Investment beantwortet die Frage, wie viel Gewinn oder Verlust im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erzielt wurde.

Was bedeutet Return on Investment?

Return on Investment lässt sich im Deutschen ungefähr mit Kapitalrendite oder Rendite auf das eingesetzte Kapital übersetzen.

Die Kennzahl ermöglicht eine einfache Beurteilung der Frage: Wie erfolgreich war eine Investition gemessen am eingesetzten Kapital?

Ein positiver ROI bedeutet, dass eine Investition einen Gewinn erzielt hat. Ein negativer ROI weist dagegen auf einen Verlust hin.

Beträgt der ROI beispielsweise 10 Prozent, wurde bezogen auf das eingesetzte Kapital eine Rendite von 10 Prozent erzielt.

Wie wird der ROI berechnet?

Die grundlegende Berechnung des Return on Investment ist vergleichsweise einfach.

ROI-Formel
ROI = Gewinn ÷ eingesetztes Kapital × 100

Wichtig ist dabei, dass möglichst der tatsächliche Nettogewinn verwendet wird. Je nach Anwendungsbereich können deshalb Gebühren, Finanzierungskosten, Provisionen oder andere Kosten berücksichtigt werden.

Beispiel: ROI berechnen

Angenommen, du investierst 10.000 Euro und erzielst damit einen Gewinn von 1.000 Euro.

Die Berechnung lautet:

1.000 € ÷ 10.000 € × 100 = 10 %

Return on Investment: 10 %

Beispiel für den Return on Investment im Trading

Das Prinzip lässt sich direkt auf ein Tradingkonto übertragen.

Ein Trader beginnt beispielsweise mit einem Tradingkapital von 20.000 Euro. Nach einem bestimmten Zeitraum hat er einen Nettogewinn von 2.000 Euro erzielt.

Die einfache ROI-Berechnung lautet:

2.000 € ÷ 20.000 € × 100 = 10 %

Der Trader hat damit einen Return on Investment von 10 Prozent erzielt.

Genau an dieser Stelle zeigt sich jedoch eine wichtige Schwäche des ROI. Die Zahl allein verrät noch nicht, welches Risiko für diese Rendite eingegangen wurde.

Warum der ROI beim Trading allein nicht ausreicht

Stell dir zwei Trader vor, die innerhalb eines Jahres jeweils eine Rendite von 10 Prozent erzielen.

Trader A

Jahresrendite 10 %
Maximaler Drawdown 5 %

Trader B

Jahresrendite 10 %
Maximaler Drawdown 35 %

Auf den ersten Blick ist der Return on Investment identisch. Aus Risikoperspektive unterscheiden sich beide Ergebnisse jedoch erheblich.

Trader B musste zwischenzeitlich einen wesentlich größeren Verlust verkraften, um dieselbe Rendite zu erzielen.

Deshalb gilt: Rendite sollte beim Trading niemals isoliert vom Risiko betrachtet werden.

Der Zeitraum ist beim ROI entscheidend

Eine weitere Schwäche des einfachen Return on Investment besteht darin, dass der Zeitraum nicht automatisch berücksichtigt wird.

Eine Rendite von 10 Prozent innerhalb von drei Monaten ist nicht mit einer Rendite von 10 Prozent innerhalb von drei Jahren gleichzusetzen.

Wer Performanceangaben beurteilt, sollte deshalb immer prüfen:

Welche Rendite wurde über welchen Zeitraum erzielt?

Für längere Zeiträume kann eine annualisierte Rendite sinnvoller sein als der einfache ROI.

Return on Investment und Hebelwirkung

Besondere Vorsicht ist bei gehebelten Finanzinstrumenten wie Futures geboten.

Beim Futures-Handel muss aufgrund des Margin-Systems nicht der vollständige Nominalwert eines Kontrakts als Kapital hinterlegt werden. Dadurch können Gewinne und Verluste im Verhältnis zum tatsächlich gebundenen Kapital sehr groß erscheinen.

Ein hoher ROI bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Tradingstrategie besonders effizient ist. Unter Umständen wurde lediglich ein erheblich größeres Risiko eingegangen.

Gerade deshalb ist ein konsequentes Risiko- und Money-Management ein wichtiger Bestandteil des Tradings.

Welche Kennzahlen sollten Trader zusätzlich betrachten?

Der Return on Investment ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Für die Beurteilung einer Tradingstrategie sollten jedoch weitere Kennzahlen hinzukommen.

Maximaler Drawdown

Zeigt, wie stark das Konto zwischenzeitlich vom bisherigen Hoch gefallen ist.

Profit Factor

Vergleicht die Summe der Gewinne mit der Summe der Verluste.

Trefferquote

Zeigt den prozentualen Anteil profitabler Trades.

Chance-Risiko-Verhältnis

Setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Durchschnittlicher Gewinn und Verlust

Zeigt, wie hoch Gewinner und Verlierer durchschnittlich ausfallen.

Anzahl der Trades

Eine größere Stichprobe erhöht die Aussagekraft einer Strategieauswertung.

Gerade die Kombination aus Trefferquote und Chance-Risiko-Verhältnis ist entscheidend. Mehr dazu findest du im Traderkanal-Artikel über CRV und Trefferquote .

Hoher ROI bedeutet nicht automatisch eine gute Strategie

Gerade in sozialen Medien werden häufig außergewöhnlich hohe Renditen präsentiert. Die dazugehörigen Risiken bleiben dagegen oftmals unsichtbar.

Ein Trader kann beispielsweise durch sehr große Positionsgrößen innerhalb kurzer Zeit eine außergewöhnliche Rendite erzielen.

Wenn dafür jedoch ein großer Teil des Tradingkontos riskiert wurde, relativiert sich die vermeintlich starke Performance schnell.

Wie viel Rendite wurde erzielt?

Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Welches Risiko musste dafür eingegangen werden?

ROI und Zinseszinseffekt

Wenn Gewinne nicht entnommen, sondern erneut investiert werden, kann der Zinseszinseffekt langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Kapitalentwicklung haben.

Angenommen, ein Anleger startet mit 10.000 Euro und erzielt theoretisch jedes Jahr eine Rendite von 10 Prozent.

Vereinfachtes Beispiel

Nach einem Jahr: 11.000 €

Nach zwei Jahren: 12.100 €

Nach drei Jahren: 13.310 €

Die Rendite wird also nicht nur auf das ursprüngliche Kapital erzielt, sondern auch auf bereits erwirtschaftete Gewinne.

In der Realität verlaufen Renditen selbstverständlich nicht konstant. Das Beispiel verdeutlicht jedoch, warum eine langfristige Kapitalentwicklung nicht einfach durch Addition einzelner Jahresrenditen berechnet werden kann.

Was ist ein guter Return on Investment?

Diese Frage lässt sich nicht mit einer festen Prozentzahl beantworten.

Ein guter ROI hängt unter anderem von der Anlageklasse, dem Zeitraum, der eingesetzten Strategie und insbesondere vom eingegangenen Risiko ab.

Eine Strategie mit 15 Prozent Rendite und kontrolliertem Drawdown kann qualitativ wesentlich attraktiver sein als eine Strategie mit 40 Prozent Rendite und extremen Kontoschwankungen.

Das Ziel sollte deshalb nicht zwangsläufig darin bestehen, den höchstmöglichen Return on Investment zu erzielen.

Entscheidender ist ein vernünftiges Verhältnis zwischen Rendite, Risiko und langfristiger Stabilität.

Weitere Informationen zur Beurteilung von Renditen und Performanceangaben findest du auf der Anlegerinformationsplattform Investor.gov .

Strategien nicht nur anhand der Rendite bewerten

Wer eine Tradingstrategie beurteilen möchte, sollte deshalb nicht nur auf den ROI schauen.

Eine aussagekräftigere Beurteilung entsteht, wenn historische Ergebnisse über viele Trades analysiert und unterschiedliche Marktphasen berücksichtigt werden.

Eine Möglichkeit dafür sind statistische Simulationen. Mit einem Monte-Carlo-Simulator kann beispielsweise untersucht werden, welche unterschiedlichen Kapitalverläufe aus einer vorhandenen Tradehistorie entstehen könnten.

Fazit: Return on Investment richtig einsetzen

Der Return on Investment ist eine einfache und hilfreiche Kennzahl, um den Erfolg einer Investition in Relation zum eingesetzten Kapital zu beurteilen.

Die grundlegende Berechnung lautet:

ROI = Gewinn ÷ eingesetztes Kapital × 100

Beim Trading reicht diese Kennzahl allein jedoch nicht aus. Zwei Trader können denselben ROI erzielen und dafür vollkommen unterschiedliche Risiken eingegangen sein.

Deshalb sollten zusätzlich Kennzahlen wie Drawdown, Profit Factor, Trefferquote, Chance-Risiko-Verhältnis und Anzahl der Trades berücksichtigt werden.

Langfristig geht es nicht darum, möglichst spektakuläre Renditen zu erzielen, sondern ein nachvollziehbares und möglichst stabiles Verhältnis zwischen Rendite und Risiko zu erreichen.

Mehr Trading-Wissen im Traderkanal

Im Bereich Trading Wissen findest du weitere verständliche Beiträge zu Tradingstrategien, Marktanalyse, Risikomanagement und wichtigen Kennzahlen.

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Risikohinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und stellen keine Anlageberatung oder konkrete Handelsempfehlung dar. Der Handel mit Futures, CFDs und anderen Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
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